Der gestiefelte Kater

 

Schnipp-Schnipp, Klipp-Klapp: Das Grimm-Märchen als Scherenschnitt Leporello. Die französische Autorin und Illustratorin Clémentine Sourdais  hat ihre Version von „Der gestiefelte Kater" ausgeschnitten.

Das Kinderbuch lässt sich wegen seiner Leporello-Faltung vorwärts Lesen und rückwärts als Märchen ohne Worte betrachten. Fast wie durch einen kleinen Guckkasten schaut man durch das Cover mit der großköpfigen bauernschlauen Katze direkt in die Geschichte hinein, die dem übervorteilten Müllers-Sohn zu Glück und Reichtum führt.  Die Textversion des Märchens ist sachlich in den Illustrations-Trendfarben grau, weiß, schwarz und gelb gehalten, die Rückseite im typischen Scherenschnitt-Schwarz.  Gehört das Buch nun in die Hand oder an die Wand? Man weiß es nicht. Idealerweise kauft man sich zwei, eins zum Hüten und Pflegen wie einen Schatz, aus dem man ab und zu einmal vorliest. Das zweite für die Kinderzimmerwand oder für die Kinderhand.

Der gestiefelte Kater, Clémentine Sourdais, 2014, Leporello, 32 Seiten, Kleine Gestalten, 3-8 Jahre

Kubbes Museum

 

Kubbe ist ein armlanger Baumstamm mit Gesicht und die Hauptfigur dieser windschiefen Bildergeschichte. Kubbe lebt mit seinem Freund Fichte im Wald und sammelt Sachen. Bald weiß er aber nicht, was er damit anfangen soll. Eines Tages eröffnet er in seinem Waldhäuschen ein Museum der gesammelten Dinge.

 

Begeistert strömt das Publikum herbei. Kubbes Sammlung ist inzwischen so groß, dass er kaum noch Platz zum Schlafen findet und das Klo ist auch andauernd besetzt. Letztlich muss er eine neue Entscheidung treffen, mit den gesammlten Funstücken umzugehen.

 

Ein Buch von der Liebe zu den Dingen, aber auch der Liebe zum Wald,  denn Kubbe ist wie ein Stück Wald, das man sofort lieb gewinnt.

Kubbes Musieum, Åshild Kanstad Johnsen, Volker Oppmann (Übersetzer aus dem Norwegischen), 2013, Hardcover,, 32 Seiten, ONKEL & ONKEL, 4-6 Jahre



Das Spinnen-ABC

 

Eigenlicht hat man ja immer schon eine ABC-Fibel zu liegen. Diese hier ist aber eine echte Bereicherung im ABC-Allerlei, denn es geht um SPINNEN. Und die haben alle verschiedenen Namen und sehr schöne verschiedene Pläne und Charakter. Annabell lernt schnell und Diane steht voll auf Vulkane. Reim dich und ich fress‘ dich gern. Die Zweizeiler erfinden die ABC-Gedichte nicht neu, sind aber schlau gemacht und warten mit Überraschungen auf. Lieb sind vor allem auch die Spinnen. Selbst wenn sie fies sein wollen. Wer die kleinen achtfüßigen Krabbeltiere nicht mag, könnte sich mit diesem Buch sogar an sie gewöhnen.

Das Spinnen-ABC, Liz Pompe, 2014, Hardcover, 64 Seiten, Orell Füssli, 5-7 Jahre

Spinnen haut ab!

 

In diesem Buch gibt es haufenweise nicht ganz ernst gemeinte Tipps, wie man Spinnen vernichten kann. Schon bald merkt man, dass diese Tipps dazu führen, dass man die gesamte Wohnung zerstört. Es ist gar nicht so leicht, eine Spinne zu erwischen. Und warum sollte man eigentlich auch? Denn bevor jemand wirklich auf eine Spinne losgeht, sollte er sie sich lieber einmal ganz ganz genau anschauen. 

Spinnen sind nämlich niedlich, zumindest diese Spinnen von Roland Garique und Cathérine Leblanc und auf den Fall auf dem Papier.  Ein intelligentes Stück Kinderunterhaltung, das nebenbei ein paar Vorurteile gegen Spinnentiere abbaut.

Spinnen haut ab! Roland Garrigue und Catherine Leblanc, 2013, Hardcover, 32 Seiten, Süddeutsche Zeitung, Junge Bibliothek, 3-6 Jahre




Peter und der Wolf

 

Manchmal denkt man, dass dieses musikalische Märchen zu oft gespielt, gehört und aufgeführt wurde. Es zählt nach wie vor zu den bewährten Werken, die eingesetzt werden, um Kinder an klassische Musik heran zu führen.

Trotz der erlösenden Motive von Geige (Peter), Flöte (Vogel) und Klarinette (Katze), geht von Prokowjews Märchen etwas Bedrohliche aus, das wirklich keine Kinderbuch-Illustration schön reden könnte. Der Wolf, aber auch der griesliche Großvater und die unvorsichtige Ente rufen Unbehagen hervor und rühren an Urängsten.

Das Dunkle, das für viele Kinder von der Geschichte ausgeht, findet sich auch in den schwarz-weißen an die Holzschnitt-Technik erinnernden Illustrationen von Frans Haacken wieder, erstmals 1958 erschienen im Alfred Holz Verlag, heute Der Kinderbuchverlag Berlin. Doch nicht um die Ängste wieder zu schüren, sondern sie zu verwandeln. Es scheint so, als wollte jeder schwarze Strich und jeder dunkle Grund das Schaurige der Geschichte einfangen, um es zu bändigen, nicht um es zu verstärken. Mit jeder einzelnen Grafik  schuf Haacken ein kunstvolles Plakat, dessen Stil aufgrund der Rückwärtsbewegung im Illustrationsgeschmack heute so frisch wie je zuvor wirkt. Nicht ohne Grund wurde das Buch erneut herausgebracht und ist dringend erwähnenswert. Geeignet als ideale Kombination zum Hören des Musikmärchens, besonders für bildungsbürgerliche Eltern und deren nicht ganz abgeneigter Nachwuchs.

Peter und der Wolf, Sergej Prokofjew, 2014, Hardcover, 56 Seiten, Beltz & Gelberg, ab 5 Jahren

 

 

ich groß - du klein


Nicht viele Worte braucht Lilli L’Arronge, um die außergewöhnliche Beziehung zwischen Eltern und Kind poetisch zu dokumentieren.



Mit „ich groß - du klein“, „ich Schuss - du Schüsschen“, „ich Kuss, du Küsschen“ wird dabei eine sprachliche und bildliche Logik der Gegensätze etabliert. Doch dann entstehen kleine Unregelmäßigkeiten in den Gegensätzen und hier beginnt der riesige Spaß des Bilderbuches, z.B. wenn es um die Mengen an zugeteiltem Eiskugeln geht. Sehr bald wird dem kleinen Kind (dem das Buch wohlmöglich von einem großen Erwachsenen vorgelesen wird) klar, dass es zwar klein ist, aber deswegen noch lange nicht im Nachteil. Die beiden Hauptfiguren (Wiesel) sind außerdem herrlich anzuschauen, die Illustration beschränken sich auf das Wesentliche und sind trotzdem Detailreich genug. Eine großartiges Buch nicht nur für kleine (ab drei Jahren empfohlen), sondern auch für größere Kinder mit fünf und sechs, die die feinen Beziehungsverflechtungen zwischen sich und den Erwachsenen noch besser durchschauen.

ich groß – du klein, Lilli L' Arronge, 2014, 56 Seiten, Jacoby und Stuart, ab 3 Jahren