Mario Wirz, Krähenkrach und Katzenträume

 

Oh so sanft und tanzend kommen diese Worte daher, gedichtet vom großen Mario Wirz, posthum veröffentlicht und wunderschön illustriert. Dieses Buch ist zum Verlieren und Verlieben, es braucht Zeit und man braucht Zeit, um sich mit ihm zu beschäftigen, aber wenn es dann dran ist, dann heißt es "abheben".

 

Krähenkrach und Katzenträume Tierische Gedichte von Mario Wirz, inzeniert von Eleanor Marston, Trixi Schneefuß und Jasmin Schäfer, Annette Betz Verlag, 2014, 56 Seiten, ab 4 Jahren.

Frauke Scheunemann, Winston - Jagd auf den Tresorräuber

 

Es ist aber auch zu gemütlich zuhause bei Winston, Professor Hagedorn, der Haushälterin Anna, ihrer Tochter Kira und Babuschka. Kein Wunder, das Winston jetzt eigentlich mal eine Pause mit den Ermittlungen machen möchte. Doch ein neuer Fall drängt sich ihm, Kira und den Freunden geradezu auf.


Winston, der schlaue und vornehme Kater von Professor Hagedorn, gefällt sich eigentlich in der Rolle des Geheimagenten. Aber soll er schon wieder einen Fall lösen? Höchstens um in Bewegung zu bleiben und die Katzendame Odette zu beeindrucken. Er und seine Freundin Kira, die 12-jährige Tochter von Hagedorns Haushälterin Anna, haben schon zweimal gemeinsam Verbrecher überführt und eigentlich eine Pause verdient. Bald jedoch drängt sich ihnen der Fall um die Tresorräuber geradezu auf und sie stürzen sich erneut in ein Abenteuer.

 

Wortwitzig und geschmeidig entrollt sich auch die dritte Geschichte von Winston, Kira und ihren Freunden. Der Einblick in Winstons Katzenhirn ist dabei überaus lohnend, denn er hat ziemlich viel auf den Kasten. Wie gut, dass Kira ihn versteht und seine Gedanken ebenfalls lesen kann. Zusammen mit ihr, ihren Schulfreunden Tom und Pauli und dem ganzen Tross der Hofkatzen bilden sie ein großartiges Gespann.

 

Die für „Winston“ mit dem Katzen-Krimi-Preis ausgezeichnete Autorin hat mit dieser Kater-Figur einen liebenswerten Romanhelden erschaffen, der hoffentlich noch viele Fälle lösen wird.

 

Winston - Jagd auf die Tresorräuber, Hardcover 240 Seiten, ISBN 978-3-7855-8113-1, 2015 im Loewe Verlag erschienen, ab 11 Jahren

 


Tagebuch einer Killerkatze

 

Eigentlich ist Kuschel gar kein so böses Katzenvieh. Eine Reihe von dummen Zufällen sorgt dafür, dass er in seiner Familie plötzlich in ganz schlechtem Licht dasteht. Zum Glück protokolliert er das Geschehen Tag für Tag, so dass man die Verstrickungen und dummen Zufälle rund um die toten und von ihm angeschleppten Tiere ziemlich genau nachvollziehen kann.

Kinderbuch-Klassiker von Anne Fine,  neu erschienen mit den herrlich trocken-humorigen Illustrationen von Axel Scheffler.

 

Tagebuch einer Killerkatze, Anne Fine, Barbara Heller (Übersetzerin),  mit Illustrationen von Axel Scheffler, 64 Seiten, gebunden, Beltz, 2015, ab 6 Jahren

 


MIAU: Alle meine Tiere

Wie soll das erste Buch für einen neuen Menschen aussehen? Womit kann der kleine Nachwuchsleser und die kleine frisch geborene Leseratte schon im frühsten Alter etwas anfangen?

 

Mit MIAU.  MIAU ist ein Würfelbuch mit 6 richtig dicken Seiten und 11 Tieren zum Anschauen. Texte oder Lautmalereien dazu müssen sich die Eltern oder die Vorleser dann schon selbst ausdenken. Die  Tiere, angeführt von einer Tiger- Katze, sind vielleicht nicht gerade aus dem Lebensalltag eines Babys entnommen. Macht aber nichts, denn wie es auf der Rückseite vermerkt ist, es geht ums „Ankommen und Staunen“.

 

MIAU: Alle meine Tiere, 2013, Hardcover, illustriert von Hartmut Bieber, 10 Seiten, Coppenrath Verlag, 0-6 Monate




 

Gute Nacht, Pepe & Milli

Schwarze Katzen mit dicken Köpfchen und Kulleraugen macht sich gemeinsam mit gelbem Hund bettfertig. Sind sie nun Freunde oder Geschwister im Herzen?

 

Auf jeden Fall müssen sie sich ausziehen und waschen und natürlich Zähne putzen. Viel passiert nicht in diesem Zieh- und Klappbuch, trotzdem reicht es für Kinder ab 18 Monaten. Am Ende der Geschichte haben Katze und Hund es geschafft, sie liegen im Bett und man gewinnt sie lieb. Vielleicht war „Mausi“ von Lucy Cousins hier Vorbild, denn dicke Linien und klare Farben sind Stilmerkmal der Pepe & Milli-Serie. Die Klapp- und Ziehvorrichtungen sind stabil und klug konstruiert. Ein herzallerliebstes Kätzchen als Stofftier mit rot-weiß kariertem Kleidchen gibt es auch schon. Endlich mal ein Merchendise-Produkt, das genauso schön ist, wie das Orignal aus dem Buch.

 Gute Nacht, Pepe & Milli, Yayo Kawamura, 2013, Hardcover, 14 Seiten, Coppenrath Verlag, 18-24 Monate


 

Der gestiefelte Kater

 

Schnipp-Schnipp, Klipp-Klapp: Das Grimm-Märchen als Scherenschnitt Leporello. Die französische Autorin und Illustratorin Clémentine Sourdais  hat ihre Version von „Der gestiefelte Kater" ausgeschnitten. Das Kinderbuch (ab ca. 3-4 Jahren, je nachdem, wie sehr das Kind schon in die Märchenwelt eingestiegen ist) lässt sich wegen seiner Leporello-Faltung vorwärts Lesen und rückwärts als Märchen ohne Worte betrachten. Fast wie durch einen kleinen Guckkasten schaut man in das Buch mit der großköpfigen bauernschlauen Katze hinein, die dem übervorteilten Müllers-Sohn zu Glück und Reichtum führt.  Die Textversion des Märchens ist sachlich in den Illustrations-Trendfarben grau, weiß, schwarz und gelb gehalten, die Rückseite im typischen Scherenschnitt-Schwarz.  Gehört das Buch nun in die Hand oder and Wand? Man weiß es nicht. Idealerweise kauft man sich zwei, eins zum Hüten und Pflegen wie einen Schatz, aus dem man ab und zu einmal vorliest. Das zweite für die Kinderhand. 

Der gestiefelte Kater, Clémentine Sourdais, 2014 erschienen, Leporello, 32 Seiten,  Kleine Gestalten, 3-8 Jahre

 

 Die Katzen von Kopenhagen

 

Die schönste Ausrede der Welt lieferte James Joyce seinen 4-jährigen Enkel einst in einem Brief aus Kopenhagen. Diese wurde in dem  posthum erschienenen Bilderbuch, bei uns von Wolf Erlbruch mit sicherem dicken Strich skizziert/illustriert, verewigt. Joyce hatte nämlich eine kluge Erklärung für die Tatsache, dass er seinem Enkel Stephen aus Kopenhagen keine der damals in Irland so beliebten mit Süßigkeiten gefüllten Katzen mitbringen könne. In Kopenhagen gäbe es nämlich keine Katzen, generell nicht.

 

Stattdessen aber andere Dinge, Fische, Fährräder und rotgekleidete Jungen, die Telegramme und Briefe bringen …

 

Kritische Stimme zum Gesamtkonzept: Posthume Verwertungen werfen Fragen auf. Wessen Interesse wird die Veröffentlichung sein, das der Verlage, das der Erben, das der Leser und der breiten Öffentlichkeit?  Musste dieser Part aus dem Leben des Schriftstellers an die Öffentlichkeit?

 

Dem Joyce für Kinder kann man dennoch nicht viel vorwerfen, dank der starken Illustrationen, die sie hervor gebracht haben, in einigen Ländern die von Casey Sorrow, bei uns, weniger filigran, die von Erlbruch, dem Ältern. Vielleicht wird das überhaupt der einzige Zugang zum Autor der Odyssee des 20. Jahrhunderts.

Die Katzen von Kopenhagen, James Joyce, übersetzt von Harry Rowohlt, 32 Seiten, Hanser Verlag, 2013, ab 5 Jahren.


Meine kleine Katze


An der Recycling-Edition von Britta Teckentrupp kommt man nicht vorbei: süßes Kätzchen auf schönem dunklen Papier,  gedruckt im eigenen Land mit Ökofarben. Da lacht das Elternherz. Aber viel passiert nicht, wenn man die kleine Öko-Katze den Tag über begleitet. Daher íst das Buch vor allen Dingen toll für das Umwelt-Gewissen und die allerkleinsten Zuhöre-Anfänger.

Meine kleine Katze, Britta Teckentrupp, 2014, Hardcover, 14 Seiten, ars edition, ab 18 Monaten



20 illustre Katzen und 44 weitere tolle Tiere zeichnen.


Niemand wird mehr sagen: "ich kann gar nicht zeichnen", denn Julia Kuo zeigt mit Katz, Vogel, Hund und Bär, wie so ein Bild von einem Tier aussehen könnte. Einfach nachmalen und das Ergebnis bestaunen. Einzigartige Nachmittagsbeschäftigung für die gesamte Familie. Rezension